Artist publication

Radierungen

Date
March 1981
Publisher / venue
Archive copy
Archive scans
4

A compact artist publication pairing etchings made from 1977 onward with Praetterhoffer’s account of moving from light drawing to the copper plate.

“Eigentlich müßte man Lichtplastik sagen.”
Hans Praetterhoffer · Radierungen, March 1981
Radierungen — selected archive scan
Transcription Original German · English summary

English summary

Praetterhoffer explains how etching replaced light drawing in his practice from 1977. He compares the copper plate to a large spatial field and describes drawing as an intense, continuous process that leaves room for associative figures and mythic beings.

Selected transcription · German

The catalogue's artist text is given here in full, restored from the artist's own later web page rather than from OCR of the printed sheet, and checked line by line against the photographed pages 3 and 4. The cover caption is transcribed from the scan.

Scan 1 — cover

Hommage á John W. Coltrane, 1978, 40 × 30 cm, Radierung und Aquatinta HANS PRAETTERHOFFER Radierungen März 1981

Scans 3–4 — the artist's text

Die Radierungen entstehen seit 1977. Sie lösten die Lichtzeichnungen ab, ein Medium, das ich seit 1969 verwendet hatte. Lichtzeichnungen entstehen mit Hilfe einer Punktlichtquelle als Zeichengerät und werden von meist mehreren Foto-Kameras von verschiedenen Seiten festgehalten. Das Zeichnen geschieht bei Dunkelheit oder Dämmerung im Freien oder im Atelier. Befreit von der Perspektive, die mir ja der Fotoapparat abnahm, zeichnete ich direkt räumlich in den Raum. Die Nutzung der Körperproportionen und -radien, das Tanzartige und Trancehafte dieses Vorgehens, das Monumentale der Zeichnungen, die den Raum in allen Dimensionen erfüllen, sind Komponenten dieser Technik. Eigentlich müßte man Lichtplastik sagen. Hatte ich zuerst meist Gitter- und Kuppel-Elemente gezeichnet, die aus den Bewegungen, aus dem Ziehen der Linie mit dem ausgespannten Arm und der Bewegung des Gehens entstehen, begann ich immer mehr vom Körper weg exzentrisch Körperelemente in den Raum zu übertragen. Der Effekt, daß die zuletzt gezeichneten Lichtlinien noch sekundenlang vor den Augen erscheinen, führte zu sich immer mehr erweiternden Assoziationen. Es wurde ein Trancezustand erreicht, in dem ich mich selbst als Anhängsel meines schwebenden und rotierenden Lichtpunktes empfand, die Zeichnung als Spur meiner Gestik entstand aus meinen lustvollen, z. T. angstvollen (nachts im Wald) Bewegungen. Elektrisches Zeichnen als magische Kulthandlung. Hätte ich ähnlich gute Ergebnisse mit Bleistift auf Papier zustande gebracht, ich hätte mit dem Lichtzeichnen aufgehört, was ich ja auch getan habe, als ich versuchsweise mit dem Radieren begann. Auf der Kupferplatte hatte ich ihn wieder, meinen großen Raum, in dem ich mit der haarfeinen Spitze der Radiernadel umherwandern konnte wie im Gelände. Eine kleine Kupferplatte war für mein Gefühl groß wie ein ganzer Garten oder Atelier-Raum. Ich empfand es auch nicht störend, auf die Fläche reduziert zu sein, spürte förmlich die Tiefe meines zu füllenden Raumes, das weiche Kupfer saugte die harte Stahlspitze ein, gab ihrem Verlauf seine Bahn, als wären schon unsichtbare Geleise vorhanden, die es auszufahren und sichtbar zu machen galt. Mein besonderes Anliegen bei den Radierungen ist, dem Betrachter einen großen Spielraum an Assoziationsmöglichkeiten zu geben. Ich vermeide deshalb auch allzu einengende Titel. Gezeichnet habe ich Linien-Elemente, aus denen Darstellungen von menschlichen Figuren oder mythologischen Wesen zusammengesetzt sein könnten. Ich habe vor dem inneren Auge Gestalten vor mir gesehen, die schneller wechselten, als ich zeichnen konnte. Ich versuchte ihr Äußeres und ihr Inneres, Organe, Nervenbahnen, ihre Vorder- und Rückseite gleichzeitig darzustellen. Das Spezielle an den Radierungen ist auch, daß sie meist in einem Guß, ohne Unterbrechung gezeichnet sind. Das Kupfer wird mit Intensität aufgeladen, die, wenn sie ihren Höhepunkt erreicht hat, schnell abnimmt: Signal den Zeichenvorgang zu beenden. Die Ausdeutung dieser Art Zeichnungen d. h. eine klar umrissene Figur herauszuschälen, den Hintergrund zu bestimmen, Licht und Schatten zu ordnen, habe ich nach der Haupt-Phase der Radierungen 1978 in Angriff genommen und zwar in meinen Tempera-Bildern, die ebenfalls mit der Radiernadel gekratzte Zeichnungen zur Grundlage haben. Hans Praetterhoffer

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